Caféhausdebatte

DSC_0035Seit der Gründung des Osnabrücker Jean Monnet Centres of Excellence in European Studies sind die Osnabrücker Bürgerinnen und Bürger regelmäßig eingeladen, in gemütlicher Kneipen- und Caféhaus-atmosphäre mit zwei bis drei Expertinnen und Experten unter professioneller Moderation über aktuelle europapolitische Themen zu diskutieren. Dieses unter dem Namen „JMCE Caféhausdebatten“ bekannte Veranstaltungsformat wird von einem Team aus Studierenden unterschiedlicher Fachrichtungen organisiert und findet ein bis zwei Mal pro Semester statt. Neben knappen Eingangsstatements und einer kurzen geleiteten Podiumsdiskussion wird die Runde für das Publikum geöffnet, das die Möglichkeit hat, sich aktiv an der Diskussion zu beteiligen.

Caféhausdebatte des Sommersemester 2016 mit dem Titel: „EU & Türkei: Kleiner Flirt oder langfristige Partnerschaft?“DSC_1010

Die Caféhausdebatte des Sommersemesters 2016 fand am 23.06.2016 im Stadtgaleriecafé statt. Bei sommerlichen Temperaturen diskutierte ein interdisziplinär besetztes Podium die Beziehungen zwischen EU und
Türkei. Vor dem Hintergrund des viel zitierten „Flüchtlingsdeals“, begann die Diskussion mit kurzen Statements des Podiums. Hanne Schneider bezweifelte beispielsweise die Langfristigkeit dieses Deals und merkte an, dass dieses Abkommen kein Ersatz für eine gesamteuropäische Flüchtlingspolitik sein könne. Prof. Dr. Christoph Raß gab einen historischen Einblick in die Beziehungen der heutigen Türkei mit den Staaten Mitteleuropas und Prof. Dr. Thomas Groß ordnete die Beziehungen juristisch ein. Er merkte außerdem an, dass das Abkommen außerhalb des europäischen Gesetzgebungsprozesses zustande kam. Dr. Jörg Baudner wies auf die enge Verzahnung der innenpolitischen Geschehnisse in Europa und der Türkei, mit den außenpolitischen Handlungen der jeweiligen Akteure hin. Er hob die Bedeutung der Entscheidungsprozesse innerhalb der deutschen CDU und der türkischen AKP hervor.

Nach 45-minütiger Podiumsdiskussion bestand traditionell die Möglichkeit, Fragen aus dem Publikum zu stellen. Diese Chance wurde vielfach wahrgenommen.
Das studentische Planungsteam möchte sich beim Stadtgalerie-Café für die Gastfreundschaft und beim Podium für die gelungene Veranstaltung bedanken.

Über vergangene Caféhausdebatten können Sie sich hier informieren.

Die Caféhausdebatte des Wintersemesters 2015/16 fand am Donnerstag, den 14. Januar 2016 um 19:00 Uhr im StadtgalerieCafé (Große Gildewart 14, 49074 Osnabrück) statt. Thema war dieses Mal „EU-Turn: Ging Einigen die Integration zu weit?“.

Untenstehend eine kurze Nachbetrachtung:

Am 14. Januar 2016 durfte die selbstständig von Studierenden organisierte und durchgeführte Caféhausdebatte drei Diskutanten im StadtgalerieCafé (Große Gildewart 14, 49074 Osnabrück) begrüßen. Unter der sehr professionellen Moderation von Herrn Michael Steinkamp (Leiter des „Europe Direct“ Informationszentrums für den Landkreis Osnabrück) wurde zum Thema „EU-Turn: Ging Einigen die Integration zu weit?“ debattiert. Nachfolgend werden die verschiedenen Positionen kurz zusammengefasst.

Im bis auf den letzten Platz besetzten StadtgalerieCafé Osnabrück

Im StadtgalerieCafé Osnabrück

Herr Dr. Gerhard Reese, Sozialpsychologe an der Friedrich-Schiller-Universität Jena, erklärte, dass es ein natürliches Verhalten sei, dass Menschen sich kleineren Gruppen zugehörig fühlten und sich mit ihnen identifizierten, da es dort klarere Regeln und Normen gebe. Damit bezog er sich auf den potenziellen EU-Austritt Großbritanniens und versuchte aus sozialpsychologischer Perspektive zu erklären, welche Motivation für die Bevölkerung dahinter stehen könnte.

Herr Dr. Robert Murphy, Dozent an der Universität Osnabrück im Bereich Anglistik, vertrat die Meinung, dass man der Demokratie „ihren Lauf lassen“ solle, beispielsweise in der Republik Polen und so auch in Großbritannien, wenn das Referendum über den Verbleib in oder den Austritt aus der Europäischen Union (EU) anstehe. Er führte an, dass das Vereinte Königreich seit 1688/89 („Glorious Revolution“) friedlich und ohne Krieg und Revolutionen sei. Diese friedliche Existenz sei nur dadurch möglich, dass sich das Land immer wieder, nach einer gewissen Zeit, ‚erneuern‘ müsse – sich also grundsätzlichen Fragen stellen müsste, wie auch der Frage „Wollen wir in der EU bleiben?“.

Herr David Schrock, Bundesvorsitzender der „Jungen Europäischen Föderalisten“ (JEF), wies darauf hin, dass die EU momentan ein „Europa der zwei Geschwindigkeiten“ sei – wenn jemand aus der EU austreten wolle, solle er dies auch tun. Großbritannien verliere in der Welt massiv an Einfluss und könne im Moment das Wohlstandsversprechen der EU nicht einhalten (Stichwort „Beim Geld hört die Freundschaft auf“). Darüber hinaus beklagte Herr Schrock die fehlende europäische Öffentlichkeit, so z.B. einen europäischen öffentlich-rechtlichen Rundfunk. Er führte an, dass die derzeitigen politischen Entscheidungsträger der Generation im Alter von 45 bis 70 angehörten. Diese Generation hat den Zweiten Weltkrieg nicht erlebt, verfügt jedoch über keine oder wenig emotionale Bindung zur EU; sie kenne „nur“ die wirtschaftlichen Aspekte und das friedliche Miteinander der Mitgliedstaaten. Jüngere Generationen profitieren vermehrt von der unbegrenzten Mobilität und dem Austausch (beispielsweise im Rahmen des Erasmus-Programms).

DSC_0773

v.l.n.r.: Hr. Dr. Reese, Hr. Schrock, Hr. Steinkamp, Hr. Dr. Murphy

Einig waren sich auf dem Podium alle, dass die EU möglicherweise eine neue Vision brauche, an der alle gemeinsam arbeiten können. Als mögliches Beispiel für eine solche Vision wurde von Herrn Dr. Reese eine ökologische Wende angeführt, nach der die EU als „grüner Kontinent“ gelten könne, frei vom Gebrauch von Öl und Kohle.

Im Anschluss an die Diskussion der Teilnehmer untereinander war es dem zahlreich erschienenen Publikum möglich, dem Podium fragen zu stellen, wovon rege Gebrauch gemacht wurde.

Wir bedanken uns nochmals herzlich bei allen Diskutanten, bei Herrn Steinkamp sowie dem Planungsteam und freuen uns auf eine ebenso angeregte Debatte im kommenden Sommersemester!

Für genauere Informationen können Sie sich an Herrn Flecke (janhendrikflecke@gmail.com) wenden.